• Image 1
    Image 2
    Image 3
    Image 4
    Image 5
    Image 6

Aritikel

Donnerstag, 24. August 2017

Leben mit Stiel

Wenn man nach Wiefelstede kommt, findet man eine moderne Gemeinde im Landkreis Ammerland, etwa 30 km von der Nordseeküste entfernt. Hier ist der Sitz der Firma Ammerland Holzwaren, die von Rolf Thien geleitet wird, ein Traditionsunternehmen, dass hier schon ein bisschen länger angesiedelt ist als Lidl oder die Autohäuser, die dem Ort ein zeitgemäßes Aussehen verleihen. Die Firma wurde 1876 erstmals in den Stadtbüchern erwähnt, aber nicht weil die Firma gegründet wurde, sondern eher weil da die Erfassung ansässiger Unternehmen begann.

Tatsächlich wird ein „Husmaker“ Thien bereits 1530 in den Kirchenbüchern erwähnt. Zu der Zeit waren große Bauern die Haupt-Arbeitgeber wobei alle Holzarbeiten an Haus und Hof ins Tätigkeitsgebiet fielen. Um 1700 zog die Familie auf den Hof, der jetzt noch Familie und Firma beherbergt. Rolf Thien und seine Frau Annegret kauften 1984 das Anwesen vom Onkel Gerd Thien jr. und übernahmen das Geschäft. Als Tischlermeister hatte er bis dahin im Ladenbau und Schiffsinnenausbau gearbeitet. Sie leben in dem modernisierten Strohdachhaus mitten im Ort, direkt neben ihrer Firma, die auf den ersten Blick „schuckelig“ klein und unscheinbar wirkt.

Erst wenn man den „Laden“ betritt, der immer offen ist sobald jemand in der dahinter gelegenen Werkstatt arbeitet, sieht man, wie groß die Firma eigentlich ist. In der Werkhalle gibt es verschiedene Hobel, Abrichten und Drehbänke, die fast alle von Rolf Thien speziell auf den Bedarf der Firma umgebaut wurden, denn hier wird nicht mehr gezimmert oder getischlert, sondern hier werden Stiele aus Eschenholz produziert. Stiele für so ziemlich alles was man sich denken kann, außerdem Treppenläufe und Geländerstangen. Sogar Handläufe aus Teak und Wenge für ein AIDA Kreuzfahrtschiff wurden hier hergestellt. „Wir können so ziemlich alles was rund ist“, sagt Rolf Thien , „ nur Besenstiele machen wir nicht mehr, die werden aus Indonesien importiert. Das ist so ein Standardprodukt, das lohnt sich in Deutschland bereits seit 50 Jahren nicht mehr.“


Mit der Industrialisierung vermehrten sich die Aufträge und das Einzugsgebiet wurde immer größer. der Bedarf an Schaufeln, Harken, Besen, Hacken, Äxten und Hämmern wuchs mit dem Bau von Schienenwege und Straßen. War das Herstellen von Stielen immer eine typische Wintertätigkeit, so wurde die zum Haupterwerb des florierenden Unternehmens. Das Wachstum hielt bis Mitte der 80er Jahre. Dann wurde der erste Minibagger aus den USA importiert und übernahm viele der Arbeiten, die bis dahin mit der Hand gemacht werden mussten. Inzwischen gibt es pro Bundesland nur noch einen Betrieb, der sich auf die Stielherstellung spezialisiert hat.

Mit der Wiedervereinigung änderte sich viel am Holzmarkt. Es konnten nur noch kleinere Stämme für die Herstellung ersteigert werden, Dicken und Qualitäten die vorher ohne weiteres zu bekommen waren, wurden teurer an Sägereien verkauft. Und von den kleineren Stämmen war nach der Sägerei nicht mehr viel übrig. Deshalb schaute sich Rolf Thien nach einem Sägewerk um, dass nicht viel Abfall produzierte und eine gute Ausbeute versprach und kaufte 1993 eine LT40 Elektrosäge.

Mit der Säge zusammen nahm Hans Werner von Essen seine Tätigkeit im Betrieb auf und ist Herr über den Sägeplatz hinten auf dem Hof. Rund um die Säge macht er alles allein, vom Ablängen der Stämme über das Sägen und Aufsetzen der 40cm Bohlen bis hin zur Maschinen- und Bandpflege. Etwa 1 Fm / Stunde schafft er dabei und hat eine Ausbeute von ungefähr 50%. Das gesägt Holz wird ein Jahr lang abgelagert bis es von Rolf Thien und den anderen Mitarbeitern verarbeitet wird. Durch das Drechseln fallen wieder Späne an, aber auch alle Reste werden verwertet. Die Abfallhölzer werden selbst verheizt oder als Brennholz verkauft. Späne und Spreißel gehen an Räuchereien, denn Esche ist, durch die enthaltenen Gerbstoffe, ideal für Geschmack und Farbe der Räucherwaren.

Pro Tag werden aus etwa 1m³ gesägtem Holz Stiele produziert. Dabei wird zuerst aus den Bohlen die grobe Form des Stiels herausgesägt. Die Bohlen sind nur 3mm übermaßig eingeschnitten und haben nach dem Trocknen ein Maß, dass beim Rundfräsen nur das nötigste weggenommen werden muss. „Unserer Wood-Mizer fehlen nach 20 Jahren vielleicht die raffinierten Neuerungen, aber sie scheidet immer noch präzise und sauber.“

Nach dem Fräsen werden die Stiele geschliffen und , wenn es um Spatenstiele geht, gezapft. Viele Arbeitsschritte, bei denen früher 3 Arbeiter mitgewirkt haben, sind durch kleine computergestützte Produktionsstrecken sehr viel effektiver geworden und können von einer Person überwacht und erledigt werden und bei aller Kreativität, die das Arbeiten mit Holz beinhaltet, muss immer auf Normen geachtet werden, die es in allen Bereichen gibt.

Die Lohnkosten sind, wie in allen kleinen Unternehmen, ein entscheidender Faktor. „Deutschland ist als Produktionsstandort ziemlich teuer, ein Arbeiter muss aber schon 15€ pro Stunde verdienen, sonst kann er seine Familie nicht ernähren, erklärt Rolf Thien. „Deshalb denken wir über die Möglichkeit nach, verschiedene einfache Arbeiten mit einer Behindertenwerkstatt zusammen zu machen, das ist für beide Seiten ein Vorteil. Einer meiner Söhne wird die Firma in ein paar Jahren übernehmen, da müssen wir in die Zukunft denken und gut organisiert sein, denn von Tradition allein, da kannste nicht von leben.“

Print

Name:
Email:
Subject:
Message:
x

Willkommen

Entdecken Sie, wie erfolgreich Wood-Mizer Besitzer weltweit mit ihren Maschinen arbeiten und so ihre lokale Wirtschaft unterstützen.

Kontaktieren Sie uns für alle Fragen






 
Kirsten Longmuss
Kontakt

Neuigkeiten


Artikel  

Magazin