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Aritikel

Ein Mann der ersten Stunde

Montag, 17. Oktober 2016

Ein Mann der ersten Stunde

Kurt Danner


Als Kurt Danner mit der Idee spielte, ein mobiles Sägewerk anzuschaffen, erklärten ihn die Leute in seiner Umgebung schlicht für verrückt. Ein Sägewerk musste damals ein Gatter sein, mit festen, tiefen Fundamenten, das schwerfällig und geräuschvoll zu Werke ging, nicht eine Maschine auf Rädern, die man mit einem Auto in den Wald ziehen konnte, um dort an Ort und Stelle die wartenden Stämme zu Brettern, Bohlen und Sparren zu verarbeiten. Damals gab es noch keine Wood-Mizer-Niederlassung in Deutschland. Er hatte so eine Säge auf einem Prospekt in Nord Ontario gesehen, das ihm dort ein Freund zugesteckt hatte. Als junger Schreinergeselle war er Ende 1989 nach Kanada gegangen. Es war eine Mischung aus Abenteuerlust, Fernweh, Sehnsucht nach endloser Natur  und einem freien, selbstbestimmten Leben, die ihn mit 21 Jahren dorthin zog. In Calgary hatte er eine Anstellung in einer Schreinerei gefunden, eine wichtige Voraussetzung für eine Aufenthaltsgenehmigung in seinen Traumland. Der Job hatte allerdings nur entfernt mit Holz zu tun, denn sein alltäglicher Werkstoff war die gemeine Spanplatte. Auch der Duft von Freiheit war eher ein Hauch, da er sich mit zwei Wochen Jahresurlaub begnügen musste. Ein Jahr später, im November 1990, bat ihn sein Vater in einem Telefonat zurück nach Deutschland zu kommen, um den landwirtschaftlichen Betrieb der Familie zu übernehmen. Zuhause angekommen schien ihm jetzt alles noch enger, noch kleinkarierter als je zuvor. Im Nebenerwerb versorgte er nun den Hof mit kleinem Ackerbau und Schweinezucht. Tagsüber arbeitete er in einer Schreinerei. Das reichte zwar für ein ordentliches Einkommen, aber glücklich konnte er damit nicht werden. Immer wieder kam ihm das Prospekt mit den mobilen Sägen in die Finger. In einer kleinen Marktforschung sondierte er die Chancen so einer Maschine in seiner Region. Anfang Januar 1992 flog er kurz entschlossen zu einer Messe für Landmaschinen nach Toronto, bestellte dort eine Wood-Mizer LT40 mit Hydraulik, eine Verlängerung, ein Schärf- und Schränkgerät und ein ordentliches Paket aller Ersatzteile, die ihm notwendig erschienen. Als im Mai der Container mit der Maschine geliefert wurde, stand auch schon der erste Kunde mit seinem Holz auf dem Hof. Völlig auf sich selbst gestellt, sozusagen als Einzelkämpfer in Sachen mobiles Sägen, stand er mit der Betriebsanleitung in der Hand vor seiner Maschine und brachte sich das Sägen bei. Sein dritter Auftrag hatte schon einen Umfang von 50 Festmetern. Der Auftraggeber, ein leicht cholerischer Landwirt, gab ihm dafür 10 Tage Zeit. Leider stand der ständig dabei, änderte immer wieder die Auftragsmaße und brachte den „Neusäger“ damit an den Rand des Wahnsinns. Die Bekanntschaft mit Rainer Getrost, der mit seiner LT40 auch zu den Pionieren der mobilen Sägerei gehört, half ihm über die schwierige Anfangsphase. Heute, inzwischen Schreinermeister, hat Danner hier seine Nische gefunden. Er arbeitet mit Massivholz und tut dies mit allen Sinnen. Der Duft eines frisch geschnittenen Apfelbaums, einer Zeder oder das schöne Maserungsbild einer Zwetschge, sind ihm fast wichtiger, als das Geld, das ihm die Arbeit mit dem Holz einbringt. Viele tausend Festmeter hat er nun schon geschnitten, viele Stunden hat er bei Wind und Wetter an der Säge gestanden und sich mit der Zeit einen großen Kundenstamm aufgebaut.

Auch seine Frau, mittlerweile ist er verheiratet, hat zwei Söhne und eine Tochter, ist in das Unternehmen eingebunden. Sie ist mit dem Rechnungswesen befasst. Im Hauptberuf lehrt sie als Kräuterpädagogin den Umgang und Einsatz von Wild- und Genusskräutern. Im Jahr 2005 bestellte er seine zweite LT40. Diesmal mit einem 42 PS Dieselmotor, mit Runterziehklemmen und Accuset. Diesmal war es nicht nötig nach Toronto zu fliegen, denn seit 1995 gibt es die Wood-Mizer-Niederlassung in Schletau. Da findet er auch ein offenes Ohr, wenns Mal was zu schimpfen gibt. In den mehr als zwei Jahrzehnten als Mobilsäger ist es ihm zur Routine geworden auch vermeintlich unmögliche Schnitte zu bewältigen. 

Um z.B. Stammholz in exakt 6- oder 8eckige Blöcke zu schneiden, aus denen er in seiner Schreinerei Bodenbeläge fertigt, hat er eine eigene Stammfixierung entwickelt, die er mit wenigen Handgriffen auf dem Bett seiner LT40 installieren kann. Auf Forstmessen präsentierte er seinen Holzpflasterboden mit viel Erfolg.

Die Landwirtschaft ist zu einem Kanadaersatz aufgestiegen. Aus dem Acker sind Wiesen- und Weideflächen geworden und statt Schweinen züchtet er heute Rinder. Zu all den Aktivitäten, die eh schon den ganzen Mann fordern, betreibt er seit Jahren eine Imkerei und beschäftigt sich mit nachhaltiger Energiegewinnung. So ist sein aktuelles Projekt eine eigene Stromversorgung durch ein 15 Meter hohes Windrad und eine Solaranlage. Dabei geht es ihm nicht um das Kassieren von Subventionen, die seiner Meinung nach auch in der Landwirtschaft oft zu Fehlentwicklungen führen, sondern um seine Unabhängigkeit.
Bei all den Vorgaben bleibt es nicht aus, dass die Kinder den Eltern nacheifern. Sie sind mit ihren 10, 12, und 14 Jahren unverzichtbare Helfer auf dem Hof. Neben der Schule kümmern sie sich eigenständig um die Versorgung der Kleintiere. So sind zum Beispiel dem 10jährigen Jonathan
  vom Brutkasten bis zum küchenfertigen Hähnchen alle notwendigen Arbeiten in der Geflügelzucht vertraut.  Kurt Danner hat sich mit seiner Familie ein Umfeld geschaffen,  das ihn seinen ewigen Traum von Kanada zwar nicht vergessen lässt, ihm aber die Illusion gibt ein schönes Stück kanadischer Freiheit gefunden zu haben.     

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Kirsten Longmuss
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