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Aritikel

Donnerstag, 24. August 2017

Ein grundzufriedenes Paar

Es ist kalt an diesem sonnigen Nachmittag in Drögennindorf. Ein schöner Wintertag, wenn nicht schon Frühling wäre. Die Hofeinfahrt zum Hof Hartman, dem weitläufigen Anwesen der Familie Lange, ist gesäumt von dicken Baumscheiben einiger frisch gefällter Eichen. Es liegt noch eine Menge Schnee auf dem Hof. Die Erderwärmung scheint ein Tauschgeschäft mit einer neuen Eiszeit gemacht zu haben. Auf dem Hof sitz ein Hund mit langem Gesicht. Er bellt erst, als ich aussteige. Im gleichen Augenblick kommt Anke Lange um die Ecke eines Stallgebäudes. Freundlich begrüßt mich. In einiger Entfernung, hinter einem Berg von Holzscheiten, sehe ich den Kopf eines Mannes und eine ständig auf- und niedersausende Spaltaxt. Ulrich Lange macht Brennholz.

Mit einem Keil bricht er eine der dicken Holzscheiben in Spalten auf, die er dann mit kurzen Hieben in Scheite zerteilt. Das geht so schnell, dass ein hydraulischer Holzspalter nur hinderlich wäre. „Da wären doch sicher auch ein paar schöne Bohlen und Kanthölzer draus geworden“, sage ich. „Klar, ein paar besonders gute Abschnitte hab ich schon zurückgelegt“, antwortet er. Wir gehen rüber zu einer Maschinenhalle, wo die Stämme von 70, 80cm Durchmesser liegen. Im Halbdunkel der Halle steht seine LT40 Baujahr 2002. Es braucht nicht viel Überredungskunst ihn dazu zu bewegen sie aus der Halle zu ziehen, um dann einen der Stämme aufs Sägebett zu legen. Es ist seine zweite LT40. Die erste, die er 1993 kaufte, war noch „made in USA“.

Damals, als Anke und Ulrich Lange Anfang der 90er beschlossen ihr Leben gemeinsam zu verbringen, kamen da nicht nur zwei schaffensfreudige Menschen zusammen, sondern auch zwei Hofstellen, zwei Familien, 130 ha Wald, Ackerbau und Viehwirtschaft - jede Menge Arbeit. Anscheinend fühlte er sich damit noch nicht ausgelastet, denn er suchte nach neuen Erwerbsquellen. Dienstleister mit Mähdreschern Kartoffelrodern, Rundballenpressen usw. gab es längst. Als Lohnsäger mit einer mobilen LT40 betrat er dagegen ein ganz neues Pflaster. Um Kunden zu werben, zeigte er seine Maschine auf einer Ausstellung in Lüneburg und kam so zu seinem ersten Auftrag: 200Fm Eichenstämme, die seit 20 Jahren darauf warteten geschnitten zu werden.

Im wahrsten Sinne des Wortes ein hartes Stück Arbeit. Da er noch keine geeignete Zugmaschine für seine Säge hatte, zuckelte er die 60 Km mit dem Traktor, die Säge auf dem Haken, zu seinem ersten Kunden. Nachdem er diese Feuerprobe bestanden hatte, füllten sich schnell die Auftragsbücher und bald zog er die Säge mit einem Mitsubishi von einem Einsatz zum anderen. Knapp zehn Jahre später kaufte er seine zweite LT40, mit der er heute überwiegend Parkett schneidet. Wegen der geringen Schnittfuge von nur zwei mm hat er da seinen Mitbewerbern gegenüber einen großen Vorteil.


Anke Lange dagegen ging damals neben ihrer Arbeit auf dem Hof, ihrem erlernten Beruf nach - sie ist staatlich geprüfte Dorfhelferin. So einfach die Berufsbezeichnung klingt, so anspruchsvoll ist dieser, in unserer modernen Gesellschaft eher unbekannte Lehrberuf. Sie leistete praktische Hilfe für Familien in der Landwirtschaft und arbeitete auch mal ein paar Wochen auf einem Hof, wenn die Bäuerin ausfiel. Sie leistete Altenpflege und war in der Behindertenhilfe engagiert. Als 1994 ihre Tochter Lisa geboren wurde, gab sie den Beruf auf. Bald entdeckte sie aber ihr bis dahin verborgenes Talent, als sie eines Tages in einer Ausstellung vor einem Steckstuhl stand. Dieser Stuhl aus zwei ineinander gesteckten Brettern ist schnell gemacht. Sie allerdings macht ein ganz spezielles, ganz persönliches Möbel daraus, indem sie die Rückenlehnen mal mit Drachenköpfen, dem Emblem des Lieblings Fußballclubs oder dem Wappen einer Freiwilligen Feuerwehr verziert. Sehr professionell macht sie das. Mittlerweile baut sie auch Truhen, Tische, Bänke, Außenmöbel, und dreht mit ihrer Runstabfräse Zaunpfähle und Fahnenmasten. Die Familie ist tief in der Landwirtschaft verwurzel. Ihr Hof befindet sich seit dem 17.

Jahrhundert in Familienbesitz. Auf den 135 ha Ackerfläche des Hofes baut der gelernte Landwirt Lange Mais, Rüben und Kartoffeln an. In dem großen Wohnhaus leben drei Generationen. Ein Vorteil, von dem die ganze Familie profitiert. Hat die Mutter mal keine Zeit für die Kinder, (1997 kam der Sohn Max dazu) kümmert sich die Oma um sie. Und die Enkel sind gern bereit, sich dafür mit kleinen Hilfeleistungen zu bedanken. Eine soziale Ader findet sich in der ganzen Familie. So ist auch Ulrich Lange mit seiner LT40 nicht nur in profitablen Einsätzen unterwegs. Er engagierte sich zum Beispiel in einem Projekt für Langzeitarbeitslose in Amelinghausen, das von der EU mit einer Mio. Euro gefördert wurde.

Es ging um den Bau eines 20 x 30m großen Schafstalls mit Unterstand nach historischen Plänen. Am Anfang waren achtzig begeisterte Menschen voller Eifer bei der Arbeit. Nach einer Woche fand noch etwa die Hälfte den Weg auf die arbeitsintensive Baustelle. Nur sechs von ihnen blieben bis zur Fertigstellung des besonderen Bauwerks, das seit dem zu einem beliebten Ausflugsziel wurde. Auch Hof Hartmann ist mit seinem Gästehaus ein beliebtes Ziel für einen Urlaub in der Heide. Die komfortabel eingerichteten Zimmer garantieren einen erholsamen Urlaub auf dem Bauernhof. Tagein, tagaus sind die Langes von früh bis spät am Schaffen. Aber da sich ihr Arbeitsalltag so vielseitig und bunt gestaltet, gibt es keine Eintönigkeit, kaum Routine. Auch die nicht ganz so beliebten Arbeiten gehen da leichter von der Hand. Unter all den großen und kleinen Geschichten und den Eindrücken meines Besuches bei Familie Lange, ist der Nachmittag schnell verflogen. Wir verabschieden uns vor dem Haus.

Selten habe ein so grundzufriedenes Paar gesehen, wie das Ehepaar Lange, das da beieinander steht und lächelnd in die Sonne blinzelt.

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Kirsten Longmuss
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